Die meisten Autofahrer haben im Hinterkopf Tipps und Tricks abgespeichert, die bei dieser oder jener Autopanne helfen sollen. Grundmerkmal: Billig und funktioniert mit Alltagsgegenständen. Einige der wichtigsten davon nimmt der folgende Artikel unter die Lupe.
Allerdings, so viel sei bereits verraten: Vieles funktioniert zwar, aber nicht bei neuzeitlichen Autos und hat sich analog zu tatsächlichen Mythen nur durch Weitererzählungen am Leben gehalten.
Zwar keine Panne im eigentlichen Sinne, aber ein echter Reparatur-Mythos ist der wohl jüngste Vertreter dieser Liste.
Seit einiger Zeit kursieren auf den sozialen Netzwerken immer wieder Videos, in denen zu sehen ist, wie Kratzer an einem Auto statt mit Lack nur durch Einsprühen und Einmassieren von Sprühöl – meist das legendäre WD-40 – entfernt werden. Und schaut man sich solche Videos an, sieht das Ganze auch plausibel aus:
Allerdings ist der Mythos zunächst einmal stark davon abhängig, um welche Form von Kratzern es sich handelt. Generell funktioniert der Sprühöl-Trick dadurch, dass die Flüssigkeit durch den Kapillar-Effekt in den Kratzer regelrecht hineingesogen wird und ihn somit ausfüllt.
Ist tatsächlich nur der Lack zerkratzt, der Kratzer also flach, kann ihn das tatsächlich verschwinden lassen. Das Sprühöl sorgt dann einfach dafür, dass sich das Licht nicht mehr an den Kratzer-Rändern brechen kann – ein rein optischer Trick also.
Komplizierter wird es, wenn der Kratzer den Lack durchdrungen hat und bis auf die helle Grundierung oder gar das Blech geht. Dann scheint diese durch und der Trick funktioniert nicht mehr.
Zudem steht auch noch ein ganz alltägliches Problem der Dauerlösung entgegen:
Schon nach wenigen Tagen werden Fahrtwind, Regen und Verdunstung dafür sorgen, dass der Sprühöl-Film im Kratzer verschwunden ist und er wieder sichtbar wird. Und gut für die Umwelt ist es auch nicht, wenn ein Regenguss das Öl von der Karosserie wegspült.
Unterm Strich ist der Sprühöl-Mythos daher eher im Reich der Autoverkäufer-Tricks anzusiedeln, wo es darum geht, das Auto nur für den Verkaufsabschluss gut aussehen zu lassen. Eine dauerhafte Lösung ist es nicht.
Mythos: Unzerstört, aber de facto nur ein Taschenspielertrick
Fazit
Die meisten Pannenmythen sind heute leider nur noch Märchen. Es gab Zeiten, wo sie tatsächlich halfen – bei einem alten Käfer etwa wird die Nylonstrumpfhose auch heute noch als Notfall-Ersatz für einen gerissenen Keilriemen taugen.
In der Praxis sieht es jedoch so aus, dass moderne Autos schlichtweg zu kompliziert geworden sind, um sie mit einfachen Bordmitteln noch am Straßenrand flicken zu können.
Das beste und universellste Pannenwerkzeug für den modernen Autofahrer ist mittlerweile das Handy und die Mitgliedskarte in einem Automobilclub.
Das ist zwar nicht so lässig, aber einem so komplexen Gebilde wie einem modernen Auto gegenüber sehr viel angemessener als Eier, Sprühöl und Büroklammern.