Recht & Sicherheit

Winterreifenpflicht in Deutschland: wann sie gilt, welche Reifen zählen, was sie kostet

Von Robin Steinheimer Aktualisiert am 21.10.2026 6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Die Winterreifenpflicht in Deutschland gilt nicht ab einem festen Datum, sondern immer dann, wenn Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte herrschen. Dann müssen an allen Rädern Reifen mit dem Alpine-Symbol montiert sein, reine M+S-Reifen reichen seit dem 1. Oktober 2024 nicht mehr. Wer bei Winterwetter ohne passende Bereifung fährt, zahlt 60 € und bekommt einen Punkt in Flensburg.

Winterreifenpflicht in Deutschland: wann sie gilt, welche Reifen zählen, was sie kostet

Wann gilt die Winterreifenpflicht?

Die situative Winterreifenpflicht steht in § 2 Absatz 3a der Straßenverkehrsordnung (StVO) und hängt allein an den winterlichen Straßenverhältnissen. Ein Kalenderzeitraum steht dort nicht.

Die bekannte Faustregel „von O bis O“, von Oktober bis Ostern, ist eine Empfehlung ohne rechtliche Wirkung. Auch wer im März bei Matsch und Glätte mit Sommerreifen unterwegs ist, verstößt gegen die Pflicht.

Ab wie viel Grad sind Winterreifen sinnvoll?

Der ADAC rät jedem Autofahrer zum Wechsel, sobald die Temperaturen regelmäßig unter 7 °C fallen, denn unterhalb davon spielen Winterreifen die Vorteile ihrer Gummimischung aus.

Zurück geht es erst, wenn die Nächte frostfrei bleiben und es dauerhaft wärmer ist. Wer einen Diesel fährt, sollte zur gleichen Zeit an den Winterdiesel denken.

Welche Reifen gelten als Winterreifen?

Als Winterreifen gelten nach § 36 Absatz 4 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung nur Reifen mit dem Alpine-Symbol: ein Bergpiktogramm mit drei Spitzen und Schneeflocke.

Die Übergangsfrist für Reifen, die nur „M+S“ tragen und vor 2018 hergestellt wurden, ist am 30. September 2024 ausgelaufen. Das Herstelldatum steht in der DOT-Nummer auf der Reifenflanke.

Ganzjahresreifen erfüllen die Pflicht, wenn sie dieses Symbol tragen. Nach ADAC-Tests bleiben sie ein Kompromiss, der weder an gute Sommer- noch an gute Winterreifen heranreicht; dafür entfällt der Wechsel zweimal im Jahr.

Geschwindigkeitsaufkleber: Ist ein Winterreifen für eine niedrigere Höchstgeschwindigkeit zugelassen, als Ihr Fahrzeug fahren kann, muss diese Grenze nach § 36 Absatz 5 StVZO im Blickfeld des Fahrers stehen, als Aufkleber, Schild oder Anzeige im Fahrzeug.

Welche Fahrzeuge sind von der Winterreifenpflicht ausgenommen?

Von der situativen Pflicht ausgenommen sind nach § 2 Absatz 3a StVO Motorräder und andere einspurige Kraftfahrzeuge, Nutzfahrzeuge der Land- und Forstwirtschaft, Stapler und motorisierte Krankenfahrstühle.

Dazu kommen Einsatz- und Spezialfahrzeuge, für die es bauartbedingt keine passenden Winterreifen gibt. Für Anhänger gilt die Pflicht nicht, der ADAC empfiehlt dort trotzdem eine wintertaugliche Bereifung.

Wer mit einem ausgenommenen Fahrzeug bei Winterwetter ohne Winterreifen fährt, muss vorher prüfen, ob die Fahrt nötig ist, darf höchstens 50 km/h fahren und muss in Metern mindestens den halben Tachowert Abstand halten.

Bußgeld und Versicherung ohne Winterreifen

Der Bußgeldkatalog sieht für das Fahren ohne geeignete Bereifung bei Glätte 60 € vor, mit Behinderung anderer 80 €. Der Halter zahlt 75 €, wenn er die Fahrt anordnet oder zulässt. Dazu kommt jeweils ein Punkt im Fahreignungsregister.

VerstoßBußgeldPunkte
Fahren ohne geeignete Reifen bei Glätte60 €1
… mit Behinderung anderer80 €1
Halter, der die Fahrt anordnet oder zulässt75 €1

Teurer als das Bußgeld kann der Unfall werden. Führt jemand den Schaden grob fahrlässig herbei, darf die Kaskoversicherung ihre Leistung nach § 81 des Versicherungsvertragsgesetzes kürzen, je nach Schwere des Verschuldens.

Ob Sommerreifen bei Glätte so gewertet werden, entscheidet der Einzelfall. Sind Sie nicht schuld am Unfall, kann die Gegenseite Ihnen trotzdem ein Mitverschulden anrechnen.

Einen Mietwagen ohne Winterbereifung dürfen Sie bei Winterwetter ablehnen, denn der Vermieter muss ein verkehrstaugliches Fahrzeug übergeben.

Schneeketten: wann Sie sie aufziehen müssen

Schneeketten müssen Sie hierzulande nur aufziehen, wo das Zeichen 268 „Schneeketten vorgeschrieben“ steht; dort darf die Straße nur mit Ketten befahren werden. Mit Ketten gilt nach § 3 Absatz 4 StVO höchstens 50 km/h.

Ketten ersetzen umgekehrt keine Winterreifen, denn die Straßenverkehrsordnung verlangt bei Glätte die passende Bereifung an allen Rädern.

Was kostet die Umrüstung auf Winterreifen?

Den Räderwechsel in der Werkstatt beziffert der ADAC (März 2026) mit oft 100 € und mehr. Für das Einlagern des zweiten Radsatzes kommen 40 bis 80 €, manchmal 100 € im Jahr dazu.

Hat Ihr Auto ein Reifendruck-Kontrollsystem, kostet das Anlernen bis zu 20 € beim indirekten und meist 20 bis 50 € beim direkten System.

Sparen lässt sich, wenn Sie Angebote von Werkstattketten, freien Betrieben und Tankstellen vergleichen, vorab klären, was im Preis steckt, und die Räder vor dem Einlagern selbst waschen oder zu Hause lagern.

Profiltiefe: 1,6 Millimeter Pflicht, 4 empfohlen

Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 1,6 mm Profiltiefe, auch bei Winterreifen. Der ADAC empfiehlt für Winterreifen mindestens 4 mm, weil die Haftung auf Schnee und Matsch darunter deutlich nachlässt.

Prüfen lässt sich das mit einer 2-Euro-Münze: Verschwindet der silberne Rand im Profil, sind noch etwa 4 mm da.

Unabhängig vom Profil rät der ADAC, Winterreifen nach etwa sechs Jahren zu ersetzen. Die Gummimischung härtet aus, und die Haftung bei Kälte lässt nach.

Ist ein neuer Satz fällig, prüfen Sie vor dem Kauf das Bergpiktogramm mit Schneeflocke auf der Flanke, denn nur damit erfüllt der Reifen die Pflicht.

Im Onlineshop von Reifen24 lässt sich die Auswahl auf dieses Merkmal eingrenzen: Winterreifen mit Alpine-Symbol bei Reifen24 (Anzeige).

Darf ich Winterreifen im Sommer fahren?

Erlaubt ist es, ein Verbot gibt es dafür nicht. Sinnvoll ist es aber nicht: Der ADAC rät davon ab, weil Profil und Gummimischung von Winterreifen im Sommer zu deutlich längeren Bremswegen führen.

Die weichere Mischung nutzt sich bei Wärme außerdem schneller ab, das Profil fehlt dann im nächsten Winter.

Winterreifenpflicht im Ausland

In den Nachbarländern gelten andere Regeln, teils mit festen Zeiträumen und höherer Mindestprofiltiefe.

Wer im Winter in die Alpen fährt, sollte vor allem auf die 4 mm achten: Ein Winterreifen mit 3 mm Profil ist in Deutschland legal, in Österreich und Tschechien zählt er nicht als Winterreifen.

LandRegelProfil
Österreich1. November bis 15. April bei winterlicher Fahrbahn; ersatzweise Schneeketten auf mindestens zwei Antriebsrädern bei durchgehend verschneiter oder vereister Straßemindestens 4 mm (Diagonalreifen 5 mm)
Tschechien1. November bis 31. März bei Schnee, Eis, Matsch oder unter 4 °Cmindestens 4 mm
Italienje nach Provinz; auf der Brennerautobahn A22 und in Bozen vom 15. November bis 15. April auch ohne Schnee, sonst Ketten an Bordkeine eigene Angabe
Schweizkeine allgemeine Pflicht, aber Strafe, wer mit ungeeigneten Reifen den Verkehr behindert; Ketten, wo beschildertkeine eigene Angabe

Auf dem Weg nach Süden fällt in Österreich die Vignette an, Preise und Kauf stehen im Artikel Vignette Österreich.

Winterreifen und Spritverbrauch

Wie viel ein Reifen verbraucht, zeigt das EU-Reifenlabel mit seiner Effizienzklasse für den Rollwiderstand; seit Mai 2021 weist es auch die Schneetauglichkeit aus.

Ein Rechenbeispiel mit offenen Annahmen: Verbraucht Ihr Auto mit einem Reifensatz 0,1 Liter je 100 km mehr und fahren Sie 15.000 km im Jahr, sind das 15 Liter. Beim Bundesdurchschnitt für Super E5 von 2,158 € (Stand 19.10.2026, Messdaten aller Tankstellen) kostet das rund 32 € im Jahr. Was der Rollwiderstand ausmacht, erklärt der Artikel Leichtlaufreifen, die aktuellen Benzinpreise zeigt Benzinampel für jede Tankstelle.

Häufige Fragen zur Winterreifenpflicht

Zwei Fälle, die im Winter regelmäßig zu Fragen führen.

Was gilt bei einer Reifenpanne mit Sommerreifen als Ersatzrad?

Mit einem einzelnen Sommerreifen als Ersatz dürfen Sie nach einer Panne vorsichtig weiterfahren. Laut ADAC müssen Sie bei nächster Gelegenheit wieder einen Winterreifen montieren lassen; geschieht das, droht keine Strafe. Fahren Sie bis dahin langsam und mit großem Abstand, besonders auf glatter Straße.

Reicht es, Winterreifen nur auf der Antriebsachse zu haben?

Nein, nicht beim Pkw. Das Gesetz verlangt bei winterlichen Straßenverhältnissen geeignete Reifen an allen Rädern, eine Mischung aus Sommer- und Winterreifen erfüllt die Vorgabe also nicht. Nur bei Lkw und Bussen der Klassen M2, M3, N2 und N3 genügen Winterreifen an den angetriebenen Achsen und der vorderen Lenkachse.

Quellen

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